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Interview mit Michaela Faulhammer und Marianne ReichDen eigenen Weg gehen – Erfolgsgeschichten österreichischer Frauen
Manz women special spricht darüber mit den Autorinnen Michaela Faulhammer und Marianne Reich.
Manz women special:
In Ihrem neuen Buch interviewten Sie eine Reihe erfolgreicher Frauen. Was war diesen Frauen in ihrem Erfolg gemeinsam? Worin unterschieden sie sich?
Reich: Was diesen Frauen gemeinsam war, war, dass es etwas gab in ihrem Leben, wofür sie bereit waren einzustehen, zu kämpfen. Sie hatten und haben eine Vision, einen Lebensauftrag, etwas, das sie leitet. Der große Unterschied war, wie sie ihren Weg gegangen sind und wie sie ihre Vision umsetzten.
Faulhammer: Gemeinsam haben sie, dass uns jede dieser Frauen ihre ganz persönliche Vision nennen konnte und es ihnen gelungen ist, ihre „Berufung“ in den jeweils ausgeübten Beruf zu integrieren. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie dann und wann vor Weggabelungen standen und sich in irgendeine Richtung entscheiden mussten. Unterschiedlich ist, wie sie Entscheidungen trafen: von vielen wird Intuition genannt aber bei einigen entschied auch so etwas wie Faktenlage oder ein Ausscheiden durch Ausprobieren – so nach dem Motto „Trial and Error“..
Manz women special:
Was macht erfolgreiche Menschen Ihrer Meinung nach aus?
Reich: Meiner Ansicht nach sind Menschen dann erfolgreich, wenn es ihnen gelingt, sie selbst zu sein – ihre eigene Originalität zu leben und nicht versuchen, jemand anderer zu sein oder sich von gesellschaftlichen Konventionen leiten zu lassen. Erfolg ist für mich nicht an Finanziellem festzumachen. Nach diesen Kriterien haben wir auch die Frauen für unser Buch ausgewählt.
Faulhammer:Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil Erfolg in unzähligen Parametern gemessen wird. Für mich ist Erfolg, wenn es gelingt, so etwas wie einen Lebensauftrag für sich selbst zu finden, diesen in ein Berufsbild zu integrieren und auszuüben und für andere dabei nützlich zu sein. Und wenn dann aus diesen Beruf auch noch finanzielle Stabilität entsteht, dann ist es für mich Erfolg.
Manz women special:
Frauen wird in beruflichen Dingen oft eine Art Schwäche (Passivität, Harmoniesucht etc.) zugeschrieben. Wie sehen Sie das aufgrund Ihrer beruflichen Erfahrung bzw. welche Entwicklung ist auszumachen?
Reich: Ein Ausspruch von Zukunftsforschern besagt: „Die Zukunft gehört den Frauen“. Ich glaube, dass Frauen in der Wirtschaft und Gesellschaft noch sehr viel mehr beitragen können, wenn sie selbstbewusst ihre weiblichen Qualitäten leben und einsetzen und sich gegenseitig mehr unterstützen. Ich habe in meiner beruflichen Tätigkeit in einem internationalen Konzern immer wieder so genannte „Männerseilschaften“ erlebt und entsprechend wurden auch viele Posten besetzt. Frauen brauchen ebenso Seilschaften und mehr Mut, sich auch für Positionen zu bewerben, wo sie nicht 100%-ig sicher sind, dass sie alle Qualifikationen dafür besitzen. Männer haben auch nicht alle Qualifikationen dafür, bewerben sich aber trotzdem. Ich sehe aber auch einen Trend zu mehr Vernetzung unter Frauen – inwieweit daraus auch eine Unterstützung entstanden ist, kann ich noch nicht genau sagen. Und ich sehe auch einen Trend in Unternehmen, nach mehr weiblichen Führungskräften – und auch hier ist noch ein Weg zu gehen.
Faulhammer: In meiner beruflichen Praxis erzählen mir Frauen oft, wie schwer es fällt „Nein“ zu sagen oder klare Grenzen zu ziehen. Ich denke, wir erwachsenen Frauen sind noch stark vom klassischen Rollenbild unserer Mütter geprägt. Für junge Mädchen der 40-er Jahre wäre es an vielen Stellen undenkbar gewesen, als Frauen die Stimme zu erheben oder die Karriere der Familie vorzuziehen. Frau Zuna-Kratky brachte es in ihrem Interview schön auf den Punkt: „es wurde viel in Samtkleidchen und Lackschuhe investiert“. Die 68-er Generation ließ das Pendel in die andere Richtung ausschlagen, und nun sind wir an einem Punkt, wo diese beiden Extreme eine gute Balance finden können. Und daraus entstehen auch gewisse Zuschreibungen: Wir kennen zwar das Gefühl der guten Balance, aber noch ist sie nicht immer leicht lebbar, und daraus sind wir bereit, Kompromisse einzugehen, die nicht immer klug für uns sind. Ich erlebe es übrigens an meiner eigenen Tochter, dass sich hier etwas ändert. Die jungen Frauen von heute haben den Mut, Dinge offensiv anzugehen, alt hergebrachte Rollen in Frage zu stellen und agieren weit weniger altruistisch als wir Mütter es vielleicht noch getan haben. Sie haben es einfach geschafft, ein neues Frauenbild zu leben, wo die klassischen Rollenzuschreibungen nicht mehr hinderlich sind. Ich bemerke, dass in dieser Generation Frauen und Männer nicht mehr so getrennt gesehen werden müssen, sondern dass hier eher ein Prinzip, wie „der/die bessere gewinnt“, gelebt wird – unabhängig von der Geschlechterdebatte. Mal sehen, wie diese künftige Erwerbsgeneration damit umgeht. Ich glaube jedenfalls, dass sie auf einem guten Kurs ist.
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